Und täglich grüßt das Murmeltier: CDU-Präsidium und Luftverkehrs-Lobbyisten fordern weitere Subventionen für den Luftverkehr

Die Anzahl der angebotenen Flüge hat sich in Deutschland seit 2019 bundesweit um jährlich 300.000 verringert. Dies ist ein Minus von 18%. Deutschland verliere an Konnektivität klagt die Branche und warnt vor einem Niedergang der deutschen Wirtschaft. Wer sich die Zahlen genauer anschaut, erkennt sehr schnell, dass der Rückgang in großem Umfang Inlandsflüge betrifft. Dies war politisch parteiübergreifend auch gewollt. Die Menschen sollten vermehrt auf die klima- und umweltfreundliche Bahn umsteigen und haben dies offenbar auch getan. Die Bahn meldete für das 1. Halbjahr einen Fahrgastrekord. Dies stärkt die Bahn und spült dringend benötigte Gelder für die Sanierung in die klammen Kassen. Zudem haben seit der Corona-Krise Unternehmen verstärkt auf Geschäftsreisen verzichtet und nutzen sehr intensiv Video-Konferenzsysteme, um Zeit und Geld für Dienstreisen zu sparen. Dass sich gerade die Unternehmen bei Flugbuchungen zurückhalten ergibt sich auch daraus, dass für Ferienreisende das Angebot auf vielen Strecken sogar größer als vor der Pandemie ist. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt („DLR“) ermittelte für den Sommer 2026 ein um 9,4% höheres touristisches Angebot als 2019. Zwangsläufig fallen die Rückgänge der Flüge auf Geschäftsreisen.

Eine Drohkulisse baut immer wieder Ryanair auf, die von Flugplan zu Flugplan ihre Flugzeuge dorthin verlagern, wo sie die meisten Subventionen erhalten und die größten Profite erzielen können. Das ist unternehmerisch natürlich legitim, aber es ist richtig, sich nicht von einer Airline erpressen zu lassen, die im Dauer-Droh-Modus unentwegt Subventionen , die deutliche Reduzierung von Gebühren und faktisch die nahezu kostenlose Nutzung der Flughafen-Infrastruktur fordert. Dabei gehen diese Drohungen häufig ins Leere. Zwar schloss Ryanair am 24. Oktober 2026 beispielsweise seine Basis in Berlin mit sieben stationierten Flugzeugen und halbierte sein Winterangebot. Die BER-Betreiber teilten allerdings mit, dass trotz des Schritts von Ryanair ab dem 25. Oktober 2026 acht Ziele mehr vom BER erreichbar seien als im vergangenen Winter. Grund dafür sei, dass andere Fluggesellschaften, insbesondere Eurowings und Wizz Air ihr Angebot deutlich ausbauen würden. So schlecht können die Standortbedingungen in Deutschland also nicht sein, zumal auch viele Menschen bereit sind, höhere Ticketpreise zu zahlen.

Dennoch gelingt es der Luftfahrt-Branche immer wieder, die Politik erfolgreich zu beeinflussen. Tatsächlich beschloss das CDU-Präsidium am 12. Oktober 2026, den innerdeutschen Flugverkehr zu stärken. Dabei sind Kurzstreckenflüge besonders umwelt- und klimaschädlich, da der Start einen Großteil der Emissionen verursacht. Was dies für ein Irrsinn ist, wird im anhängenden Artikel von Tagesschau.de sehr schön dargestellt. Der neue Verkehrsminister Bilger (ebenfalls CDU) sagte auch eifrig eine Prüfung der Vorschläge zu, die offenbar in weiteren Reduzierungen der sog. Standortkosten bestehen sollen. Angesichts der Kassenlage im Bund ist allerdings kaum zu erwarten, dass sich die Branche auf nennenswerte Nachlässe freuen kann.

Erstaunlich war auch der Vorschlag des Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften („BDF“), die Regionen und Länder sollten einzelne Verbindungen subventionieren, um eine bessere Anbindung der regionalen Wirtschaft an die internationalen Drehkreuze zu ermöglichen. Ganz offensichtlich waren frühere Flüge von Frankfurt nach Paderborn und Münster schlecht ausgelastet gewesen. Warum sollten dann Flüge durch den Staat subventioniert werden? Wenn sich die Luftfahrtbranche durch eines seit Jahren auszeichnet, ist es durch unverschämte Forderungen nach staatlichen Subventionen. Wir rufen in Erinnerung, dass die deutschen Fluggesellschaften durch eine Befreiung von der Kerosinsteuer und der Mehrwertsteuer auf internationalen Flügen bereits jährlich mit über 12 Mrd. Euro subventioniert werden.

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-klima-luftverkehr-100.html

https://www.aero.de/news-53857/BDF-Regionen-sollen-innerdeutsche-Fluege-subventionieren.html

https://www.merkur.de/wirtschaft/300-000-fluege-weniger-airlines-duennen-angebot-in-deutschland-aus-zr-94545833.html