Fraport verschleiert erheblichen Rückgang der Flugbewegungen im Winterflugplan
Fraport meldete am 20. Oktober 2026, dass der Frankfurter Flughafen mit 80 Airlines und 231 Zielen in den Winterflugplan starte, der am 25. Oktober 2026 begann und am 27. März 2027 endet. Ein paar neue Ziele werden in der Überschrift genannt. Besonders hervorgehoben wird der Ausbau des Angebots nach Abu Dhabi. Während sich in früheren Pressemitteilungen immer ein Vergleich zum Vorjahr findet, verzichtete Fraport in der diesjährigen Vorstellung des Winterflugplans hierauf. Und dies nicht ohne Grund. Der Winterflugplan 2025/2026 sah nämlich noch 3700 Starts pro Woche vor. Der aktuelle Winterflugplan geht von 3400 Starts aus.

Dies entspricht bei Starts und Landungen einem Rückgang um 600 Flugbewegungen pro Woche und mithin einem satten Minus von 8%.
Dies hatte sich bereits in den letzten Monaten angedeutet, da die Lufthansa als Hauptkunde am Frankfurter Flughafen ankündigte, unrentable Strecken wie beispielsweise von Frankfurt nach Bremen oder Stuttgart, aber auch einige Europastrecken zu streichen oder zu reduzieren bzw. auf andere Drehkreuze innerhalb des Konzerns zu verlagern, um Synergien zu nutzen. Es ist erstaunlich, dass die Lufthansa Group hierauf nicht schon früher gekommen ist. Sie wird diese Strategie auf die neuen Drehkreuze in Rom und (perspektivisch) Lissabon ausdehnen. Nicht irritieren lassen müssen wir uns von der Nachricht, dass die Lufthansa Group für den Sommerflugplan 2027 das größte Ausbauprogramm seit 2020 bekannt gegeben hat. Es gilt für alle 6 Drehkreuze und alle Airlines der Lufthansa Group. Für Frankfurt bedeutet dies nach unserer Schätzung während des gesamten Sommerflugplans einen Zuwachs um etwa 1600 Flugbewegungen (Starts und Landungen), dem allerdings etliche Streckenstreichungen gegenüber stehen. Allein die Reduzierung der Strecke Frankfurt – Bremen von 70 auf 14 Flugbewegungen pro Woche (1 Flug pro Tag wird im Sommerflugplan wieder aufgenommen) führt während des Sommerflugplans zu einem Rückgang der Flugbewegungen um ca. 2900. Wie sehr der Frankfurter Flughafen unter Druck steht zeigt sich auch daran, dass die hessische Landesregierung (Hessen ist der größte Aktionär der Fraport AG) am 20. Oktober 2026 die überschaubare Erweiterung des Langsteckenangebots der Lufthansa AG in einer Pressemitteilung überschwenglich feierte und von einem Standortbekenntnis von Lufthansa zum Flughafen sprach. Unterschlagen wurde allerdings, dass diese Flüge überwiegend nur dreimal die Woche stattfinden.
Der Winterflugplan enthält auch einige optimistische Annahmen. Ob Flüge in die Golfregion durchgängig möglich sind, erscheint auf Grund der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region fraglich. Erwartet werden wegen der gestiegenen Kerosinkosten weitere Streichungen von Verbindungen. Kleineren und mittlelgroßen Airlines droht die Insolvenz. Neue Streiks der Piloten werden nach dem Fehlschlagen der Schlichtung wohl unvermeidlich sein.
Für die Fluglärmgeschädigten ist der Rückgang der Flugbewegungen jedenfalls eine gute Nachricht.
Die Anzahl der Flugbewegungen in 2026 wird ca. 440.000 betragen oder damit niedriger liegen als im Jahr 2000. Der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Frankfurter Flughafens aus dem Jahr 2007 prognostizierte bereits für das Jahr 2020 700.000 Flugbewegungen. Mit diesem prognostizierten Wachstum wurde der Flughafenausbau begründet, der bis heute über 6 Mrd. Euro gekostet hat.
https://www.aero.de/news-53977/Flughafen-Frankfurt-Geringeres-Flugangebot-im-Winter.html
https://hessen.de/presse/lufthansa-baut-langstrecke-in-frankfurt-aus