Jammerkampagne der Luftverkehrswirtschaft geht weiter:
Lufthansa fordert Sofortprogramm zur Sicherung regionaler Flughafenanbindungen
Seit etwa zwei Jahren fordert die Luftverkehrswirtschaft eine deutliche Senkung der sog. Standortkosten, die im wesentlichen aus der Luftverkehrsabgabe, den Flugsicherungsgebühren und den Luftsicherheitsgebühren bestehen. Diese Kosten macht die Luftverkehrswirtschaft für die vergleichsweise schlechte Verkehrsentwicklung in Deutschland im Verhältnis zu anderen europäischen Staaten verantwortlich. Lufthansa hat im Sommerflugplan, wie sich aus einem weiteren Artikel dieses Newsletter ergibt, mehr als 20.000 Flüge, darunter einige Inlandsverbindungen zum Drehkreuz Frankfurt gestrichen (Bremen und Stuttgart) bzw. ausgedünnt (Leipzig, Dresden). Ausgerechnet das Online-Magazin Airlines.de kommentiert dies wie folgt:
“Allerdings ist die Kausalität, die die Lufthansa-Gruppe hier zieht, umstritten. Ein Gutachten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums kam zu dem Schluss, dass Standortkosten kaum ursächlich für den Verkehrsrückgang seien. Zudem hat sich der innerdeutsche Markt seit 2019 grundlegend verändert: Ryanair und Easyjet haben sich von innerdeutschen Strecken zurückgezogen. Die Lufthansa-Gruppe operiert in diesem Segment seither nahezu ohne Wettbewerb – und ist damit zugleich Hauptverantwortliche für das Angebotsniveau, dessen Rückgang sie nun beklagt.“
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie dem nachfolgenden Artikel.
https://www.airliners.de/lufthansa-gruppe-sofortprogramm-regionale-flughafenanbindungen/88135

Kein Sofortprogramm aber eine neue Luftverkehrsstrategie hat die Bundesregierung am 10. Juni 2026 beschlossen. Neben der bereits bekannten Reduzierung der Luftverkehrsabgabe enthält das Papier wenig konkretes. Das Entlastungspaket für die Luftverkehrswirtschaft soll sich bis 2029 auf jährlich 500 Millionen Euro belaufen. Aktuell werden die sog. Standortkosten auf jährlich ca. EUR 4,5 Mrd. beziffert. Die Kostenreduzierung entspricht bei voller Höhe (500 mithin ca. 11%. Das ist ärgerlich, aber sicher nicht als großartiger Erfolg der Jammerkampagne zu bewerten. Etwas anderes als ein „Einknicken“ der Bundesregierung war eigentlich auch nicht zu erwarten. Weitere Einzelheiten zur neuen Luftverkehrsstrategie entnehmen Sie dem Pressepapier der Bundesregierung.
Fast jeder zweite Flug aus Deutschland ist eine Kurzstrecke
Was wäre eine Lärmentlastung möglich, wenn man Kurzstreckenflüge europaweit größtenteils auf die Bahn verlagern könnte. In China legen Hochgeschwindigkeitszüge die Strecke von Peking nach Shanghai in 4:18 Stunden zurück. Die Strecke beträgt 1300 KM. In 4:18 Stunden schafft man es gerade mal von Frankfurt nach Berlin, sofern die Züge die ca. 550 KM lange Strecke überhaupt zurücklegen und nicht wegen Gleis- oder Oberleitungsschäden oder einem defekten Triebwagen kurz vor Kassel liegen bleiben. Frankreich, Italien und Spanien haben neben dem regionalen Schienennetz separate Schienennetze, die nur den Hochgeschwindigkeitszügen zwischen den Metropolen zur Verfügung stehen. Solche Schienennetze gibt es leider nicht in Deutschland und wird es auch nie geben. Schade eigentlich! Dennoch ließen sich mehr als hunderttausend Flugbewegungen von und nach Frankfurt einsparen, wenn zumindest die Bahn zuverlässig innerhalb von Deutschland und ins benachbarte Ausland funktionieren würde und Neubauprojekte schneller realisiert und mit dem bestmöglichen Lärmschutz ausgestattet würden. Selbst die am häufigsten geflogene Kurzstrecke von Frankfurt nach London könnte mit der Bahn in etwa 5 Stunden zurückgelegt werden, wenn es eine Direktverbindung ohne Umsteigen in Brüssel gäbe. Dies soll nach einem Abkommen ab den frühen 2030er Jahren möglich sein.
Frankfurter Flughafen ist unter den zehn umweltschädlichsten Flughäfen weltweit
Der Frankfurter Flughafen buhlt regelmäßig um Auszeichnungen. Jetzt hat er eine bekommen. Er gehört zu den zehn umweltschädlichsten Flughäfen weltweit. Das Erschreckende daran ist der Umstand, dass er in einer der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas liegt und mehrere Millionen Menschen dem Lärm und den Schadstoffen ausgesetzt sind. Letztere breiten sich im gesamten Rhein-Main-Gebiet aus. Konkret landet der Frankfurter Flughafen auf Platz 8. Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Luftfahrtbranche weit davon entfernt ist, emissionsfrei zu werden. Alle im Tracker erfassten Flüge zusammengenommen haben 2023 insgesamt 1.022 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen verursacht. Damit wäre der Luftverkehr, wäre er ein Land, der fünftgrößte Emittent weltweit.
Terminal 3 – Symbol für Fehlplanung, Umweltzerstörung und Größenwahn
Mit einer Pressemitteilung kommentierte unser Verein die Eröffnung von Terminal 3. Die Pressemitteilung wurde von der dpa aufgegriffen und zu einem eigenen Artikel verarbeitet. Dieser wurde in mehreren hundert Medien, darunter t-online, aber auch Tagesthemen, FAZ, Süddeutsche Zeitung etc. veröffentlicht. Einzelheiten entnehmen Sie unserer Pressemitteilung und dem Artikel in t-online. Fraport sah sich genötigt, Stellung zu beziehen. Es bestritt nicht die Fehlplanung und erklärt Terminal 3 zu einem Zukunftsprojekt für die nächste Generation. Mit der Eröffnung von Terminal 3 wurde am 9. Juni 2026 Terminal 2 für mindestens 10 Jahre geschlossen. Auch dies zeigt, dass für Terminal 3 eigentlich überhaupt kein Bedarf besteht. Fraport hat mit der Landebahn Nordwest und dem Terminal 3 sowie begleitender Maßnahmen schätzungsweise 6 Milliarden Euro ausgegeben. Im Jahr 2007 gab es am Frankfurter Flughafen ca. 490.000 Flugbewegungen, im Jahr 2025 waren es ca. 460.000 Flugbewegungen. Bislang waren die Investitionen also nicht erforderlich und es ist Stand heute auch nicht davon auszugehen, dass sich die Investitionen jemals rechnen werden.